"Rock and Roll"

Capital Grappling Challenge in Berlin

 Traditionsgemäß eröffnet die Capital Grappling Challenge die Bodenkampf-Saison im Nordosten Deutschlands, und es kann gleich vorweggenommen werden, dass in den Trainingsräumen des Ausrichters Trigoon so einiges zusammenkam. Um genau zu sein meldeten 19 Teams mehr als 100 Kämpfer, und die Starterliste las sich schon im Vorfeld wie 5 Sterne Submission Karte.

Kleines Special als opener: in der Miniklasse 6-7 Jahre und insgesamt weniger Kilo als die niedrigste reguläre Gewichtsklasse lieferten zwei Heimkämpfer den ersten Kampf der Saison und ernteten von den gestandenen Kämpfern wohlverdienten Applaus. Die Namen werden erst in 12 Jahren interessant, oder aber : Lasst uns über Kinderwettkämpfe im Grappling nachdenken!

Dass sich die Kämpfe bei einer derartig hohen Starterzahl - erfreulich!-  dann doch ein wenig ziehen würden, war wohl allen gleich klar, die gute Nachricht ist, dass der Wettkampf trotzdem zu keiner Zeit langweilig zu werden drohte. Es gab einige höchst spektakuläre Fights und gar nicht wenige von der Taktik bestimmte Duelle, die Zeugnis davon ablegten, wie ausgeglichen das Niveau in der Region ist. Möglicherweise war die Anwesenheit einiger Big Shots der Szene am Mattenrand -  Frank Burczynski, Heiko Schönborn, Andy Zwetzig - auch noch zusätzlicher Anreiz. In jedem Fall aber machten sich einige Big Shots auf der Matte zur begehrten Beute. Es winkte die hohe Ehre, einem Marva Kübler, Fabian Rührmund oder Ulf Fritzmann entgegenzutreten. Und manchmal sind auch die zu schlagen.

Dominator der Jugendkämpfe war Homeboy Eric Froemcke/Trigoon. Er holte alle seine Siege vorzeitig, zeigte dabei ein weites Technikrepertoire - seine Überlegenheit war deutlich. Allerdings ging es in der Klassen unter 65 Kilo ebenfalls hoch her, und sein Trainingskamerad Louis Letaconnoux konnte sich dort den Respekt seiner Gegner verdienen. Ein gutes Beispiel für den Sinn teamübergreifender Zusammenarbeit. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei den Frauenkämpfen: Silvia Nagel/IMAG kam, sah und siegte in dieser Reihenfolge, musste aber letzteres im Kampf um Platz 1 gegen die DENTO- Kämpferin Maria Rabenhorst auch mit aller Geschicklichkeit und Kraft, die sie einsetzen konnte. Bekanntlich ist ein Sieg nur so viel wert wie er teuer war.

Die Männer hatten 's nicht leicht - keiner von ihnen. Einerseits waren die Gewichtsklassen voll von renommierten Kämpfern, andererseits mischten sich Aufsteiger aus der Jugend sowie auch neue Teams ins Spiel ein. Erwarten durfte man eine starke Performance der IMAG, Titelverteidiger aus dem Vorjahr und bekannt für ein sehr breit aufgestelltes und qualitativ hervorragend eingestelltes Team. F.X. Horstheimer und Adrian Ruf, um nur zwei zu nennen, galten als klare Favoriten. Allerdings war auch eine wiedererstarkte BJJ-Academy vor Ort, und Team Fenriz hatte bereits beim MM-Artworks kundtgetan, dass sie oben mitspielen wollen; wenn nicht mehr. Um die Berliner Teams herum formierten sich aus dem Umland Berserker aus Magdeburg, MMA East aus Greifswald, F2G und MMA-Dresden... und die waren gar nicht gewillt, die Challenge zu einer rein hauptstädtischen Angelegenheit werden zu lassen. Die Betrachtung der Kämpfe von oben war aufschlussreich: Deutlich mehr als die Hälfte aller Fights ging über die volle Zeit – heißt also, das Niveau ist ziemlich ausgeglichen. Es gab bei den Kämpfen keine ernsthaften Verletzungen – heißt also, das Niveau ist ziemlich hoch. Das kann durchaus mal Anlass zur stillen Freude sein.

Den Kampf des Tages  lieferten sich Bastian Huschka/Fenriz und Ruslan Alijev/Team Waynach. Ist mit Worten nicht zu beschreiben - aber alles, was an Technik und Kampfeswillen in einem Match stecken kann, war drin. Szenenapplaus und ehrfürchtiges Schweigen des Fachpublikums inklusive. Dass der Kampf wie drei Viertel aller anderen ebenfalls in die Verlängerung ging, versteht sich von selbst, und obwohl schon zu fortgeschrittener Zeit laufend empfanden alle Anwesenden die Verlängerung als Zugabe. Die Vergabe des Technikerpreises erwies sich als echtes Problem - die Qualitätsdichte war dergestalt, dass nicht weniger als sieben Kandidaten zur Auswahl standen. Das Rennen machte schließlich Dzumso Tscherheiko/Team Waynach auf der Grundlage eines Flying Armbars, der den Kampf in sechs Sekunden beendete. Am Ende des Tages war das IMAG-Team unter Leitung von Frank Burczynski vorn, spürt allerdings den Atem der Fenriz-Wölfe (Ulf Fritzmann) im Nacken. Dahinter sechs weitere Teams alle ziemlich gleichauf. Der Preussen-Cup  am ersten Juni Wochenende wird dann die Trends bestätigen oder widerlegen – man wird sehen.

Bleibt noch Danke zu sagen an das Kampfgericht – 10 Stunden Arbeit sind kein Pappenstiel - und zu erwähnen, dass einige Clubs know-how und auch Arbeitskraft zur Verfügung stellten. Einigkeit macht stark und manchmal auch Spaß. Und die Gastfreundschaft des ausrichtenden Trigoon-Teams ist ungeschlagen!

 


Saisonstart 2013


Nachdem im letzten Jahr insgesamt 35 Teams an den Turnieren der SGL teilnahmen, freuen wir uns auf eine weitere erfolgreiche Saison.

Das nächste Liga Event ist die Capital Grappling Challenge in Berlin Köpenick.

Weitere Termine und Ausschreibungen findet ihr bei den Veranstaltungen.